Zeuge gegen sich selbst

Man erlebt es immer wieder. Gestern hatte ich einen Mandanten, dem unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen wird. Die polizeiliche Vernehmung meines Mandanten war am 05. Juli 2010. Ihm war bereits vor der Vernehmung klar, dass der Vorwurf Auswirkungen auf seine Fahrerlaubnis haben könnte und das er mit der Sache auf jeden Fall einen Verteidiger beauftragen wird. Trotzdem ist er, weil er meinte, es zu müssen, zu seiner polizeilichen Vernehmung gegangen und hat im erheblichen Umfang Angaben zum Vorwurf gemacht, die ich warscheinlich nur unter Aufbietung aller Anstrengungen gerade ziehen kann. Das Schlimme an der Sache ist, dass der Mandant das Problembewußtsein hatte (Führerschein) und das er in jedem Fall einen Anwalt konsultieren wollte. Auf meine Frage, warum er denn nicht gleich nach Erhalt der polizeilichen Ladung Kontakt mit mir aufgenommen hat, meinte er, er habe gedacht, durch seine Aussage bei der Polizei die Sache aus der Welt schaffen zu können. Erst als er sich den Text seiner Vernehmung durchgelesen hatte, keimte in ihm der Verdacht auf, sich gerade möglicherweise um Kopf und Kragen geredet zu haben. Es ist an dieser Stelle nicht notwendig darauf hinzuweisen, dass der gute Mann Berufskraftfahrer bei einer großen Spedition im Harzkreis ist und durch seine Aussage nicht nur mit seiner Fahrerlaubnis, sondern auch mit seinem Arbeitsplatz „spielte“. Ich bin auf die Akte gespannt, zumal sich der Vorfall mitten in der Nacht in einer süddeutschen Kleinstadt ereignete und nach Angaben des vernehmenden Beamten es keine Zeugen für den Vorfall gab. Möglicherweise ist mein Mandant somit der beste Zeuge gegen sich selbst.

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2 Antworten zu Zeuge gegen sich selbst

  1. Andrea Doria schreibt:

    Das bestätigt mich mal wieder in meiner Ansicht nicht als Zeuge aufzutreten. Man sollte immer angeben, nichts gesehen zu haben. Ich verweise auch noch auf einen Fall von RA Christian Wolf, wo ein Zeuge verschlafen hatte und dann noch zu einem kräftigen Ordnungsgeld usw. verdonnert wurde.
    http://www.lehrstellen-verein.de/blogg/archives/3513

  2. Harzkreis schreibt:

    Es sollte Sie eher in der Ansicht bestärken, es sich als Beschuldigter, besonders wenn Sie sowieso einen Verteidiger einschalten wollen, mehr als gut zu überlegen, ob Sie zu einer polizeilichen Vernehmung gehen und Angaben zur Sache machen. Der Artikel sollte weiterhin ins Bewußtsein rücken, dass man, egal ob Zeuge oder Beschuldigter, nicht zur polizeilichen Vernehmung gehen muss, weil keine entsprechende Verpfklichtung besteht. Ihre Ansicht, nicht als Zeuge in Erscheinung treten zu wollen, teile ich nicht. Jeder von uns kann in Situationen geraten ( es muss ja nicht immer im Strafrecht sein ), wo er froh ist, wenn sich die entsprechenden Personen als Zeugen zur Verfügung stellen. Diese Bürgerpflicht sollte man dann auch ernst nehmen.

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